Das Mittelohr

Das Mittelohr ist für das Hören ein wichtiger Raum, der mit dem Trommelfell und den Gehörknöchelchen für den Schalltransport vom Gehörgang zum Hörorgan sorgt, dem Innenohr (Cochlea). Von dort werden die Schallwellen dann als elektrische Impulse durch den Hörnerv zum Gehirn geleitet, wo sie letztlich „verstanden“ werden. Da der Schalltransport durch das Mittelohr ein mechanischer Vorgang ist, können dort vorliegende Störungen meist durch mechanische Eingriffe, also eine Mittelohroperation, behoben werden.

HÖRSCHÄDEN DURCH STÖRUNGEN AM TROMMELFELL UND AN DEN GEHÖRKNÖCHELCHEN                                               

Die häufigsten Gründe für Mittelohroperationen zur Hörverbesserung sind Schäden durch chronische Entzündungen und die so genannte „Otosklerose“.

CHRONISCHE ENTZÜNDUNGEN (OTITIS MEDIA CHRONICA)

Bei den chronischen Entzündungen ist ein typisches Merkmal das Loch im Trommelfell. Man unterscheidet zwei Formen: Die zentrale Defektbildung im Trommelfell (mesotympanale Mittelohrentzündung) und den randständigen Trommelfelldefekt (Knocheneiterung; Cholesteatom; epitympanale Mittelohrentzündung).

Die mesotympanale Otitis media mit einem zentralen Trommelfelldefekt ist die harmlosere von den genannten Varianten einer chronischen Mittelohrentzündung. Zwar besteht ein Loch im Trommelfell, aber manchmal ist das Hörvermögen nur wenig eingeschränkt, und auch die typischen Krankheitszeichen wie Ohrlaufen und eventuell Ohrenschmerzen sind nur sehr gering oder gar nicht ausgebildet. Zur Behandlung kann hier eine Mittelohroperation (Tympanoplastik) erfolgen, bei der das Trommelfell mit körpereigenem Gewebe geschlossen und die Gehörknöchelchenkette (mit Hammer, Amboss und Steigbügel) – sofern sie unterbrochen ist - rekonstruiert wird. Als Gehörknöchelchenersatz werden meist Implantate aus Titan verwendet.

Bei feuchten Ohren mit Trommelfelldefekt ist die Tympanoplastik notwendige Voraussetzung, wenn ein Hörgerät getragen werden soll.  

Bei Otitis media chronica epitympanalis mit Defekt am Rand des Trommelfells ist auch der Knochen angegriffen, und es sammeln sich zunehmend Hornschuppen im Mittelohr an, die sich ständig vergrößern und eine zerstörende Wirkung auf die Knochenwände und die Gehörknöchelchen entfalten können (Cholesteatom). Außerdem entwickelt sich bei einem solchen Cholesteatom meist eine bakterielle Entzündung, die die ohnehin bestehende Mittelohrhörstörung noch verstärkt, eine übelriechende Sekretion und manchmal Schmerzen verursacht. Wegen der Gefahr der Ausbreitung einer bakteriellen Entzündung in lebenswichtige Strukturen wie die Hirnhaut oder das Gehirn selbst besteht die erste Behandlung eines einmal entdeckten Cholesteatoms in einer dringenden Operation!

Behandlung chronischer Mittelohrentzündungen durch Operation

Eine Tympanoplastik, bei der die Gehörknöchelchen und das Trommelfell wiederhergestellt werden und das Hörvermögen verbessert wird, ist ein meist kurzer operativer Eingriff, der in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen werden kann. Für die Wiederherstellung der Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboss, Steigbügel) verwendet Prof. Dr. Alexander Berghaus entweder die Gehörknöchelchen des betroffenen Patienten, die dann neu eingestellt werden; oder es kommen künstliche Gehörknöchelchen (meist aus Titan) zum Einsatz. Das Trommelfell wird mit Muskel- oder Knochenhaut und Knorpel rekonstruiert.

In günstigen Fällen erfolgt der Eingriff ambulant, sonst ist der stationäre Aufenthalt meist nicht länger als 3 Tage.

Liegt ein Cholesteatom vor, ist die Entfernung dieses Befundes das wichtigste Operationsziel. Dann werden je nach Einzelfall auf dem Weg durch den Gehörgang (endaural) oder durch den Warzenfortsatz hinter dem Ohr (2-Wege-Operation) die entzündlichen Veränderungen aus dem Mittelohr entfernt. Nach einer Cholesteatomoperation kann der stationäre Aufenthalt einige Tage betragen.

Dabei steht zunächst die komplette Beseitigung des Cholesteatoms im Vordergrund der Behandlung. Daneben soll als zweites Ziel auch ein gutes Hörvermögen erreicht werden. Deshalb wird die Cholesteatomentfernung mit einer hörverbessernden Operation kombiniert, oder die Hörverbesserung erfolgt in einem zweiten operativen Schritt zu einem späteren Zeitpunkt. Bei den meisten Cholesteatomen empfiehlt sich ohnehin ein zweiter Eingriff (sogenannter „Second look“), bei dem – etwa ein Jahr nach der ersten Operation - nachgesehen wird, ob sich in der Zwischenzeit wieder neues Cholesteatom gebildet hat. Nach 9 bis 12 Monaten sind solche Rezidive meist noch sehr klein und können dann unter dem Mikroskop gut vollständig entfernt werden. Häufig wird bei dieser Nachschau gleichzeitig eine Hörverbesserung vorgenommen, wenn das erforderlich sein sollte.

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