Ohren anlegen: wann und wie operieren?

Ohren anlegen - Fragestellung und historische Betrachtung

Mitte des 19. Jahrhunderts tauchten in der operativen Medizin erste Vorschläge auf, wie abstehende Ohren angelegt werden können. Diese Bemühungen, die mit den Namen Dieffenbach und Ely verbunden sind, zielten darauf ab, die Anlegung durch Resektion von Haut hinter dem Ohr zu erreichen. Erst 1903 erkannte Gersuny, dass für eine haltbare Korrektur die elastischen Rückstellkräfte des Knorpels überwunden werden müssen. Seit den 1950er Jahren wurden vermehrt Operationstechniken entwickelt, bei denen die Bearbeitung und Umformung des Knorpels für die Korrektur abstehender Ohren im Vordergrund stand. Über Jahrzehnte wurden seither zumindest im deutschsprachigen Raum die Verfahren in „Schnitttechniken“, „Ritztechniken“ und „Nahttechniken“ eingeteilt, je nachdem, wie der Knorpel bearbeitet wurde. Es entstanden viele Methoden, bei denen mehrere dieser Vorgehensweisen miteinander kombiniert wurden.

Der klinische Befund bei abstehenden Ohren

In der Fachliteratur wird ein Ohr als „abstehend“ bezeichnet, wenn der Winkel zwischen Schädel und der Concha-Ebene mehr als 30° beträgt. Allerdings ist es in der Praxis schwierig, diesen Winkel ohne Spezialinstrumente zu bestimmen. Einfacher lässt sich der Abstand der Helixkante vom Schädel messen (Methode nach Wodak). Dabei sollte in drei Messpunkten (oben, Mitte, unten) der Abstand von der Ohrkante zum Mastoid jeweils nicht wesentlich mehr als 18mm betragen. Diese Messung geht einfach vonstatten und kann insbesondere auch intraoperativ angewendet werden. Morphologisch wird das Abstehen eines Ohres überwiegend durch drei Faktoren ausgelöst, die häufig gemeinsam auftreten:  

  • Die mangelhafte Ausbildung einer Anthelixfalte im Knorpel;  
  • die Entwicklung eines zu großen Cavum conchae; 
  • das Abstehen des Ohrläppchens. 

Die Korrektur richtet sich auf diese Formabweichungen. Die Aufgabe besteht demnach darin, eine schöne Anthelixfalte zu formen, ein zu großes Cavum conchae zu verkleinern bzw. abzuflachen, und ein abstehendes Ohrläppchen anzulegen.

Risiken und Komplikationen nach Operationstechnik

Ohren anlegen

Die Gefahren, die von der Operation zur Anlegung abstehender Ohren ausgehen, sind sehr stark abhängig von der gewählten Operationsmethode. Es ist nachvollziehbar und entspricht auch der Realität, dass durch die aggressiveren Schnitt- und Ritztechniken ein höheres operatives Risiko entsteht, als bei der Anwendung reiner Nahtverfahren wie der Fadenmethode. Sieht man von den seltenen bakteriellen Entzündungen mit der Folge der eitrigen Knorpeldestruktion und Deformierung des Ohres ab, die als Komplikation eines solchen Eingriffes tatsächlich eine ausgesprochene Rarität darstellen, so besteht doch bei Schnitttechniken die nicht zu unterschätzende Gefahr der Ausbildung hässlicher, sichtbarer Kanten und Knickbildungen am operierten Ohr. Die Erkenntnis, dass auf diese Weise Deformitäten entstehen können, die auffälliger und störender sind als der ursprüngliche Befund der abstehenden Ohren, hat bei vielen Operateuren zunehmend zu einer Abwendung von den Schnitttechniken zugunsten der Nahttechniken (Fadenmethode) geführt. Diese erfreuliche Entwicklung ist ausgesprochen begrüßenswert, zumal die „Reparatur“ eines durch Schnitttechnik deformierten Ohres mit dem Ziel, wieder ein ansprechendes Äußeres zu schaffen, als ausgesprochen schwierige, manchmal kaum beherrschbare Aufgabe gilt. Bei einem solchen „Katastrophenohr“ (O. Staindl) muss dann der Ohrknorpel in seiner ursprünglichen Form wieder rekonstruiert werden, wobei im Einzelfall gar Transplantate oder Implantate erforderlich werden.

Ein mit den traditionellen Operationsverfahren häufig verbundenes Vorgehen war bzw. ist gelegentlich auch heute noch die Resektion eines Hautstreifens hinter dem Ohr, die das Anlegen des Ohres unterstützen soll. Wenngleich spätestens seit der Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt ist, dass Resektionen an der postaurikulären Haut kein Mittel zur Erzielung eines schönen Ergebnisses sein können, wurde und wird immer noch vereinzelt auf diese Hautresektion Wert gelegt. Diese Maßnahme ist jedoch geeignet, die postaurikuläre Falte mehr oder weniger stark abzuflachen, was nicht nur unansehnliche Überkorrekturen insbesondere im mittleren Drittel der Ohrmuschel unterstützt, sondern im Einzelfall auch das Tragen einer Brille oder von Hörgeräten erschweren oder unmöglich machen kann. Nach der Erfahrung und Überzeugung des Verfassers ist die Resektion postaurikulärer Haut bei der Anlegung abstehender Ohren gänzlich unnötig, sie unterstützt eher das Auftreten von Komplikationen. Dazu gehören auch Keloide, die nach Eingriffen am Ohr vor allem dann beobachtet werden, wenn die resultierende Naht unter Spannung gerät, was durch Hautresektionen gefördert wird.

Ein weiteres Risiko besteht in der Über- und der Unterkorrektur, die jeweils vermieden werden kann, wenn unter der Operation der messtechnische Vergleich zwischen beiden Ohren mit der Methode nach Wodak (s.o.) praktiziert wird. Die übermäßige Anlegung vor allem im mittleren Drittel führt zur s.g. „Telefonhörerdeformität“. Die Korrektur des abstehenden Ohrläppchens ist gelegentlich scheinbar ein spezielles Problem, das aber durch eine geschickt geführte Naht durchaus gelöst werden kann.

 Trotz aller Sorgfalt bei der operativen Anlegung mit der Fadenmethode kann naturgemäß kein vollkommen symmetrisches Ergebnis garantiert werden, darauf sind die Patienten im Rahmen der Aufklärung hinzuweisen. Ferner kann – unabhängig von der gewählten Technik – eine Unverträglichkeit oder Abstoßung des verwendeten Nahtmaterials nicht ausgeschlossen werden. In diesem Fall erlebt man gelegentlich auch nach längerer Zeit von 6-12 Monaten noch einen Durchtritt von Fadenspitzen im Bereich der postaurikulären Haut. Nach solch längerem Zeitraum ist jedoch in der Regel das Ergebnis narbig soweit verfestigt, dass die Extraktion des perforierten Fadens folgenlos bleibt.

Bei Anwendung schonender Techniken und moderner Materialien kann die Anlegung abstehender Ohrmuscheln heute als effektive und risikoarme Operation angesehen werden, die einen wissenschaftlich belegten Gewinn für die Betroffenen mit sich bringt. Wird eine operative Technik gewählt, die die Integrität des Knorpels bewahrt und den Hautmantel schont, dann verliert auch die in seltenen Fällen erforderliche Nachoperation zur Korrektur unerwünschter Resultate ihren Schrecken.

Sie würden gerne mehr über die Operation abstehender Ohren erfahren und möchten einen persönlichen, unverbindlichen Beratungstermin vereinbaren? Hier finden Sie Kontakt und Sprechzeiten von Prof. Dr. Berghaus, HNO Arzt in München, in der HNO Klinik in München.

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